Der Revisionismus ist eine Strömung des Opportunismus in der Arbeiterbewegung, deren Besonderheit darin besteht, daß sie ein ganzes System der Revision des Marxismus (später des Marxismus-Leninismus) zur theoretischen Begründung der opportunistischen Politik entwickelt.
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Der Revisionismus fordert eine Korrektur der theoretischen und politischen Grundlagen des Marxismus-Leninismus mit dem Ziel, den revolutionären Inhalt der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse zu beseitigen und durch bürgerliche Theorien zu ersetzen. Er ist eine internationale Erscheinung, die sich beim Übergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus in der Arbeiterbewegung herausbildete. Er ist die opportunistische Reaktion bestimmter kleinbürgerlicher bzw. kleinbürgerlich beeinflußter Schichten in der Arbeiterbewegung, insbesondere der vom Imperialismus korrumpierten, privilegierten Teile der Arbeiterklasse - der Arbeiteraristokratie und -bürokratie -, auf die Verschärfung des Klassenkampfes und die neuen Bedingungen des Kampfes um den Sozialismus in der Epoche des Imperialismus. Seinem Klassencharakter nach ist er das Produkt des Einflusses der bürgerlichen Ideologie auf die Arbeiterklasse und die Arbeiterbewegung. Der Siegeszug des Marxismus in der internationalen Arbeiterbewegung zwang seine Gegner in der Arbeiterbewegung, sich marxistisch zu maskieren, um die Ideen des Marxismus zu bekämpfen. Zum „Stammvater" des Revisionismus wurde der deutsche Sozialdemokrat Eduard Bernstein, der alle grundlegenden Prinzipien und Thesen des Marxismus revidierte und sie unter dem Vorwand einer Ergänzung und Weiterentwicklung des Marxismus durch bürgerliche Anschauungen ersetzte. Auf dem Gebiet der Philosophie wurden die materialistische Weltanschauung durch den Neukantianismus und den Empiriokritizismus, die revolutionäre Dialektik durch einen flachen Evolutionismus ersetzt. In der politischen Ökonomie leugnete der Revisionismus die von Karl Marx und Friedrich Engels nachgewiesenen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Entwicklung. Die Entstehung von Monopolen, behaupteten die Vertreter des Revisionismus, schwäche den Grundwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit ab und führe zu einer Milderung der Klassengegensätze. An die Stelle der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Ausbeuterordnung müsse die evolutionäre Durchdringung des Kapitalismus durch den Sozialismus, das friedliche Hineinwachsen in den Sozialismus treten. Die politischen Anschauungen des Revisionismus bedeuteten die Revision der Lehre vom Klassenkampf und von der Diktatur des Proletariats: Den bürgerlichen Staat sahen die Vertreter des Revisionismus nicht als Organ der Klassenherrschaft der Bourgeoisie, sondern als klassenindifferent an; den Ausbau der bürgerlichen Demokratie erklärten sie zur vorrangigen Aufgabe der Arbeiterbewegung. Das Wesentliche des Revisionismus ist also, daß er den Marxismus durch bürgerliche Anschauungen verwässert und ihn teils völlig durch sie ersetzt und damit der revolutionären Arbeiterbewegungdas theoretische Fundament ihres Kampfes für die Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaft und den Aufbau des Sozialismus nimmt. Die revisionistischen Thesen wurden jedoch durch die Geschichte selbst widerlegt:
Der Revisionismus war daher gezwungen, sich der veränderten Lage anzupassen.
Nach dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution richtete der Revisionismus seine Angriffe verstärkt gegen die marxistisch-leninistische Revolutionstheorie und Staatslehre. Der sozialistischen Demokratie stellte er die Forderung nach einer fiktiven „reinen" Demokratie gegenüber. Der sozialistischen Planwirtschaft begegnete er mit der Theorie von der „Wirtschaftsdemokratie". Er schloß sich dem Antisowjetismus und Antikommunismus zunächst in der Weise an, daß er die Lehren Lenins dem Marxismus entgegenstellte und verunglimpfte und versuchte, den Leninismus und den Sozialismus als „rein russische Angelegenheit" abzutun. Als sich nach dem zweiten Weltkrieg das sozialistische Weltsystem herausbildete und der Kapitalismus in die dritte Etappe seiner allgemeinen Krise eintrat, war auch über diese Version des Revisionismus zunächst das Urteil gesprochen. Dem zunehmenden Einfluß der sozialistischen Länder und der kommunistischen Parteien trat der Revisionismus mit einer politischen Taktik der Differenzierung und Aufweichung entgegen. Die Zielstellung des Revisionismus diente objektiv der Restaurierung der imperialistischen Herrschaftsverhältnisse in den von der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung befreiten Ländern. Er nahm immer mehr offene konterrevolutionäre Positionen gegenüber dem Sozialismus ein. Eine Hauptthese des „modernen“ Revisionismus war und ist die von der gegenseitigen Annäherung (Konvergenz) von Kapitalismus und Sozialismus. Diese sog. Konvergenztheorie trat als eine Art verdeckter Antikommunismus an die Stelle des plumpen, vulgären Antikommunismus, der durch die zunächst erfolgreiche Entwicklung der sozialistischen Länder widerlegt wurde. Als eine Konzeption für die weitere Formierung des staatsmonopolistischen Kapitalismus war sie darauf gerichtet, die Arbeiterklasse restlos in dessen Herrschaftssystem zu integrieren, indem sie die Illusion zu erwecken suchte, der Kapitalismus werde automatisch mit dem Sozialismus zu einer einheitlichen „Industriegesellschaft" verschmelzen.
Als Mittel der ideologischen Diversion gegen die sozialistischen Länder zielte sie darauf ab, diese dazu zu „verführen", in ihrer Wachsamkeit gegenüber dem Imperialismus nachzulassen, einem kurzsichtigen kleinbürgerlichen Nationalismus nachgebend, sich durch ökonomische Bindungen an die kapitalistischen Staaten in politische Abhängigkeit von diesen zu begeben, ihre lebensnotwendigen engen Beziehungen zur Sowjetunion und zum gesamten sozialistischen Lager zu lockern. So versuchte er, die Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung zu untergraben, und wandte sich gegen die historische Notwendigkeit der proletarischen Revolution und der Diktatur des Proletariats beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, gegen die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei im Kampf gegen Imperialismus und Kolonialismus, gegen die Leninschen Normen des Parteiaufbaus, vor allem gegen den demokratischen Zentralismus, wie auch gegen den proletarischen Internationalismus. Er öffnete damit letztlich der Konterrevolution von 1989-1992 Tür und Tor, die zur Zerschlagung der meisten sozialistischen Staaten in Europa und Asien führte. Einer derartigen Politik entsprachen solche Thesen im Arsenal des „modernen" Revisionismus wie die von der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution als einem national begrenzten Ereignis in einem rückständigen Land, das keine Allgemeingültigkeit besäße; vom Vorhandensein objektiver unüberwindlicher Widersprüche zwischen den sozialistischen Staaten als beständig und gesetzmäßig wirkende Faktoren; von einem objektiven Widerspruch zwischen der sich entwickelnden Basis und einem sich angeblich nicht entwickelnden, verknöcherten, bürokratischen Überbau als dem Grundwiderspruch der sozialistischen Gesellschaft. Durch eine „Erneuerung" sollte ein „echter", „demokratischer", „humaner Sozialismus" entstehen, der dem wissenschaftlichen Kommunismus von Marx, Engels und Lenin entgegengesetzt wird. Dazu wurde - ausgehend von der illusionären Vorstellung von der Möglichkeit einer Demokratie „an sich" - nach dem Muster der bürgerlichen Demokratie und unter Ignorierung des echten Inhalts der sozialistischen Demokratie eine quantitative „Erweiterung" bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten gefordert und einem Pluralismus in Partei, Staat, Wirtschaft und Ideologie das Wort geredet, der unter sozialistischen Verhältnissen einzig und allein dazu dienen sollte, die Macht der Arbeiterklasse und die führende Rolle ihrer Partei zugunsten konterrevolutionärerInteressenund Ideologien zurück zu drängen.
Der heutige Revisionismus verfälscht das Verhältnis von Arbeiterklasse und Intelligenz unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution. An die Stelle des Bündnisses von Arbeiterklasse und Intelligenz solle ein sog. neuer historischer Block treten, in dem die Intelligenz und die Studenten die führende Rolle haben sollen. Innerhalb der kommunistischen und Arbeiterparteien wirkt er sich schädlich auf Strategie und Taktik aus und führt folgerichtig zu einem Abweichen von Klassenpositionen. Die Aufgabe eines eigenständigen kommunistischen Profils und die Forderung nach dem Aufgehen der Partei in linken Sammlungsbewegungen ist meist die Folge. Die Partei wird dadurch geschwächt und ihres Charakters als Kampforganisation der Arbeiterklasse beraubt. Siehe auch: Reformismus.