Der Reformismus ist eine Erscheinungsform bürgerlicher Ideologie und Politik in der Arbeiterbewegung.
Der Reformismus vertritt die Auffassung, dass die Arbeiterklasse auf dem Wege über Reformen vom Kapitalismus zum Sozialismus gelangen könne und lehnt die proletarische Revolution, die Eroberung der politischen Macht der Arbeiterklasse und die Errichtung der Diktatur des Proletariats als einzig möglichen Weg zum Aufbau des Sozialismus ab.
Die Reformisten verbreiten die Illusion, dass sich die Lage der Arbeiterklasse im Kapitalismus durch Reformen grundlegend verbessern könne.
Der Marxismus-Leninismus ist nicht gegen Reformen. Er erkennt den Kampf um Reformen im Kapitalismus an, und die kommunistischen Parteien in den kapitalistischen Ländern führen einen beharrlichen Kampf um Reformen im Interesse der Werktätigen. Im Gegensatz zu den Reformisten orientiert er aber die Arbeiterklasse darauf, dass die auf dem Reformwege errungenen Verbesserungen dazu dienen müssen, "den Kampf gegen die Lohnsklaverei noch hartnäckiger fortzusetzen", und dass die Reformen "zur Entfaltung und zur Erweiterung ihres Klassenkampfes" genutzt werden müssen. (Lenin, 19, S. 365/366)
Bereits vor dem ersten Weltkrieg gewann der Reformismus in der deutschen Arbeiterbewegung beherrschenden Einfluss. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges gingen die reformistischen Führer der deutschen Sozialdemokratie und der Gewerkschaften zur Burgfriedenspolitik über. Sie wurden zu Sozial-Chauvinisten und unterstützten aktiv die Führung des imperialistischen Krieges im Interesse der deutschen Monopolbourgeoisie und der Verwirklichung imperialistischer Annexionspläne. Das war ein Verrat an der internationalen Arbeiterklasse, an der deutschen Arbeiterklasse und am ganzen deutschen Volk.
Im Laufe der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung ist der Reformismus in mannigfaltiger Gestalt aufgetreten, z. B. als Ökonomismus, Trade-Unionismus, Gewerkschaftertum und Parlamentarismus.
Nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, während der Novemberrevolution 1918 und in der Weimarer Republik trat der R. in Deutschland objektiv als Stabilisierungsfaktor der imperialistischen Herrschaft auf. Er verschleierte den imperialistischen Klassencharakter der Weimarer Republik und die zunehmende Verschärfung des Widerspruchs zwischen Kapital und Arbeit. Durchdrungen vom Antikommunismus, verhinderte der Reformismus die Aktionseinheit der Arbeiterklasse im Kampf gegen den Faschismus.
Unter den Bedingungen der faschistischen Diktatur entwickelten sich in den vom Reformismus beherrschten Arbeiterparteien Bestrebungen zur Verteidigung der bürgerlichen Demokratie und zum gemeinsamen Kampf mit den Kommunisten. Es wuchs auch bei sozialdemokratischen Mitgliedern die Bereitschaft, die vom Opportunismus herbeigeführte Spaltung der Arbeiterbewegung zu überwinden und die Einheit der Arbeiterklasse auf revolutionärer Grundlage herzustellen.
Diese Bestrebungen wurden nach der Zerschlagung des faschistischen Imperialismus 1945 in ganz Deutschland noch deutlicher. In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung überwunden. KPD und SPD vereinigten sich zur SED (1946). Die Gründung der SED war ein historischer Sieg der Arbeiterklasse über den Imperialismus, des Marxismus-Leninismus über den Opportunismus. In den westlichen Besatzungszonen wurden die Einheitsbestrebungen durch das Eingreifen der imperialistischen Besatzungsmächte - besonders der USA - und durch rechte sozialdemokratische Führer verhindert. Der Reformismus stand wieder im Dienst des Antikommunismus, und seine Politik förderte die Restauration der Macht des Monopolkapitals.
Mit dem vollständigen Übergang zum staatsmonopolistischen Kapitalismus wurde der Reformismus eine aktive Stütze des staatsmonopolistischen Systems.
Auch mit der Übernahme der Regierung versuchten die rechten Führer der Sozialdemokratie im Auftrag bestimmter Kreise der Monopolbourgeoisie, mit einem sog. Reformprogramm die sich ständig verschärfenden Widersprüche des imperialistischen Systems zu entschärfen, dem wachsenden Einfluss des Marxismus-Leninismus und der sozialistischen Länder entgegenzuwirken, ihr Gesellschaftssystem in Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung an die Erfordernisse der wissenschaftlich-technischen Revolution und den sich verschärfenden Konkurrenzkampf zwischen den Ländern des Imperialismus anzupassen.
Angesichts der tiefen Krise des Kapitalismus seit Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts und ihrer negativen Auswirkung auf die Lebensbedingungen und die politischen Rechte der Werktätigen in den kapitalistischen Ländern hatten die rechtssozialdemokratischen Reformprogramme erneut ihre Unfähigkeit bewiesen, den Werktätigen eine Alternative zu weisen.
Die Geschichte aller Klassenkämpfe zeigt, dass Reformen nur durch einen ausdauernden Kampf der unterdrückten Klassen gegen die unterdrückenden Klassen errungen und gesichert werden können, wobei der Erfolg nur gesichert ist, wenn die Arbeiterklasse organisiert und einheitlich kämpft. Von großer Bedeutung war dabei der ständig wachsende Einfluss des sozialistischen Weltsystems.
Allein die sozialistische Revolution und der Aufbau des Sozialismus können eine grundlegende Veränderung der sozialen Lage der Werktätigen herbeiführen.
In den imperialistischen Staaten versucht die herrschende Großbourgeoisie mit allen Mitteln, die reformistische Arbeiterbewegung völlig in das Fahrwasser der bürgerlichen Politik zu bringen. Zugleich schreitet die Differenzierung innerhalb der reformistischen Arbeiterbewegung voran, und immer mehr Anhänger reformistischer Auffassungen gehen auf Positionen des Klassenkampfes über.
siehe auch: Revisionismus