Der Opportunismus ist eine bürgerliche ideologische Strömung in der Arbeiterbewegung und politische Grundhaltung, die der imperialistischen Bourgeoisie bei ihren Versuchen dient, die Arbeiterklasse in das staatsmonopolistische Herrschaftssystem zu integrieren.
"Die grundlegende Idee des Opportunismus ist das Bündnis oder die Annäherung (zuweilen Vereinbarung, Blockbildung usw.) zwischen der Bourgeoisie und ihrem Antipoden." (Lenin)
Der Opportunismus leugnet die Notwendigkeit des Klassenkampfes, der revolutionären Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer Kampfpartei sowie die Notwendigkeit der Errichtung der Diktatur des Proletariats. Er bedeutet eine mehr oder weniger offene Abkehr vom Marxismus.
Imperialismus und Opportunismus bilden eine untrennbare Einheit. Die politische Hauptfunktion des Opportunismus ist die Spaltung der Arbeiterbewegung und die politisch-ideologische Bindung von Teilen der Arbeiterklasse an das kapitalistische System im Interesse der, Aufrechterhaltung dieses Systems.
Mit dem Übergang des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium entstand in allen entwickelten kapitalistischen Staaten eine Arbeiteraristokratie, die zur wichtigsten sozialen Grundlage des Opportunismus wurde. Seine materielle Grundlage ist der Monopolprofit. Das Wachstum der Arbeiterorganisationen am Ende des 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhundert verstärkte den Zustrom kleinbürgerlicher Elemente in die Arbeiterbewegung. Es entstand eine relativ breite Arbeiterbürokratie, die neben der Arbeiteraristokratie gleichfalls zum sozialen Nährboden des Opportunismus wurde.
In den Parteien der Zweiten Internationale kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Vertretern des Opportunismus und den Marxisten. Auf Grund des Sieges des Marxismus in der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhundert war der internationale Opportunismus gezwungen, sich "marxistisch" zu maskieren und "auf dem allgemeinen Boden des Marxismus" gegen den wissenschaftlichen Kommunismus zu kämpfen. (Lenin, 15, S. 21). Er trat dabei in Gestalt des Revisionismus auf. Mit Ausnahme der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands gewann der Opportunismus in den Parteien der Zweiten Internationale die Oberhand und verwandelte sie allmählich in bürgerlich-reformistische Arbeiterparteien.
Für die revolutionären Kräfte der Arbeiterklasse erwuchs nun die Notwendigkeit, den Kampf gegen den Opportunismus, Reformismus und Revisionismus bis zur organisatorischen Trennung zu führen.
Die Bolschewiki unter Lenin vollzogen als erste den Bruch mit den opportunistischen Kräften und schufen die Partei neuen Typus (siehe: marxistisch-leninistische Partei). Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges ging die opportunistische Führungsschicht der Parteien der Zweiten Internationale offen in das Lager der Monopolbourgeoisie des jeweiligen Landes über und unterstützte deren Annexionspläne. Der Opportunismus wurde zum Sozialchauvinismus.
Nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und der Gründung kommunistischer Parteien in den imperialistischen Ländern trat der Opportunismus als unmittelbarer Stabilisierungsfaktor des imperialistischen Systems bei der Wiederherstellung der erschütterten Macht des Finanzkapitals und bei der Abschirmung des revolutionären Einflusses der Oktoberrevolution auf (Einbeziehung von rechten sozialdemokratischen Führern in den imperialistischen Herrschaftsmechanismus). Ideologisch traten Antisowjetismus und Antikommunismus in den Mittelpunkt. Die von den opportunistischen Führern betriebene Spaltung der Arbeiterbewegung ermöglichte die Errichtung der faschistischen Diktatur in einigen imperialistischen Ländern und nach dem zweiten Weltkrieg die Wiedererrichtung der Herrschaft der Monopole in der heutigen BRD.
Die hauptsächlichen ideologischen Grundlagen des gegenwärtigen Opportunismus sind der Antikommunismus, die öffentliche Abgrenzung vom Marxismus-Leninismus, das Bekenntnis zum imperialistischen Staat und zu den imperialistischen Bündnissen wie z. B. der NATO. Der Übergang des Opportunismus zur Verteidigung des staatsmonopolistischen Kapitalismus ist mit der Spaltung des Opportunismus selbst verbunden. Während ein Teil der opportunistischen Kräfte vom traditionellen Reformismus auf die Positionen der offenen Verteidigung des Imperialismus übergeht, ziehen die Realitäten des Sozialismus und des Klassenkampfes in den kapitalistischen Ländern viele Reformisten auf die Seite des Kampfes für demokratische Forderungen und gegen die Allmacht der Monopole.
Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung tritt der Opportunismus vor allem in Gestalt des modernen Revisionismus auf. Eine andere Gefahr sind der "linke" Opportunismus, der Dogmatismus und das Sektierertum. Der "linke" Opportunismus negiert die Notwendigkeit eines breiten allgemein demokratischen Programms des antiimperialistischen Kampfes, die Notwendigkeit der Verbindung der allgemein demokratischen und proletarischen Klassenziele und -Interessen. Er verabsolutiert die bewaffneten Formen des Kampfes um die Macht und verfälscht das Prinzip der friedlichen Koexistenz.